Programm

CARA ROBERTA. / 2.4.2020
Roberta Dapunt an Christoph Linher (I)

Brief 2: Wie wir uns hier begegnen …

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Caro Christoph, è un’incontro al quanto singolare il nostro.
Nella sua qualità possiamo farlo diventare un avvicinamento nel tempo, una congiuntura di lingue. Mi sembra di poter aggiungere anche, che la sensazione è quella di una nostra responsabilità di interpretazione di questo momento così particolare.
Ecco allora che le vie di comunicazione ritornano all’epistolario, le nostre osservazioni, le considerazioni che confluiscono l’una nell’altra nella profondità delle sensazioni. Nel nostro piccolo io credo, ci riusciremo.
Così tu mi racconti di primi paesaggi appena fuori dalla finestra. L’equiseto di cui tu mi parli, lo vedrò appena tra due mesi, nel bosco che frequento, seppure questo tempo ora, sia così uguale nelle sue misure e per ognuno di noi. Sta in una sospensione dell’esterno succedere.
Cammino. Il bosco sembra ancora di più un luogo remoto, molta neve e pochi farfari intorno, sono solitudini primaverili quando l’inverno qui dà prova di andarsene. Se i farfari si presentano è tempo. Molto più tardi la primavera alpina presenterà un tripudio di colori e sarà un bel vedere. Guardo, osservo e lascio che il silenzio nuovo di ora si mostri nella sua drammatica totalità, al fine di poterlo raccontare nelle mie riflessioni, nel frattempo, dopo e forse.
Sono sempre partita da un plurale di silenzio, ogni volta che l’ho preso in considerazione per un componimento. Ora si è unito, costituisce un insieme, è diventato omogeneo, solidale. Sta in concordanza con l’intero modo di pensare, di sentire o di agire. Non mi piace, lo subisco, è così uguale dappertutto che mi è diventato avverso, perché si presenta unicamente in qualità di una rispettosa osservanza. Un sibilo sordo che intima il tacere.
Mi scrivi, l’Italia, un modello tragico, in tedesco “Italien als tragische Blaupause”. Concordo sulla tragicità del momento, non invece sul fatto che sia stata presa a modello. Poche settimane fa, intorno all’Italia impegnata a combattere il virus si sollevava una cortina di ferro, mentre ogni altro governo, lentamente, troppo lentamente rispondeva in modo diverso all’epidemia, senza prendere d’esempio questa povera terra che ha prima dovuto capire con cosa si sarebbe confrontata.
Dopo invece, nel tempo successivo. Saremo posti, tutti quanti e senza alcun modello, di fronte ad una domanda esistenziale unica. Questa rigenerazione improvvisa dell’unità, l’isolamento collettivo che ha messo in moto un organismo unico, ci hanno portati ad un patriottismo di urgenza, facendo di me e di te un noi che ci metterà a confronto dentro, lì dentro nella gerarchia dei valori.
A presto, Roberta.

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Lieber Christoph, wie wir uns hier begegnen, ist ziemlich einzigartig.
Wir haben die Gelegenheit, aus dieser Begegnung ein Näherkommen in der Zeit, eine Zusammenführung von Sprachen zu machen. Ich möchte auch noch hinzufügen, dass es sich wie eine Verantwortung anfühlt, unsere Verantwortung, diesen besonderen Augenblick zu interpretieren.
Schön, dass sich die Kommunikationswege wieder des Briefeschreibens besinnen und unsere Beobachtungen, unsere Überlegungen auf diese Weise ineinander übergehen und in der Dichte der Wahrnehmungen zusammenfließen können. In unserem Kleinen denke ich, wird es uns gelingen.
Du erzählst von den ersten Landschaften, die vor deinem Fenster auftauchen. Den Schachtelhalm, den du erwähnst, werde ich in meinem gewohnten Waldstück erst in zwei Monaten sehen. Davon abgesehen scheint diese Zeit jetzt in ihren Auswirkungen für uns alle gleich.
Ich gehe. Noch mehr als sonst gleicht der Wald einem Ort aus alter Zeit, viel Schnee und kaum Huflattich rundum, solcherart ist hier die Einsamkeit im Frühling, sobald der Winter Zeichen gibt, sich zu verabschieden. Sehr viel später zeigt sich der Frühling in den hiesigen Bergen in einer Pracht aus Farben und ist schön anzusehen. Ich schaue, beobachte und warte, bis diese neue Stille ihr ganzes dramatisches Ausmaß zeigt, damit ich, währenddessen, nachher, wenn überhaupt, davon erzählen werde können mit eigenen Gedanken.
Ich bin in meinem Schreiben immer von einer Mehrzahl von Stille ausgegangen. Nun hat sich diese Mehrheit vereinigt, bildet eine Einheit, ist gleichförmig, solidarisch geworden. Steht in Übereinstimmung mit dem Gesamt des Denkens, Fühlens oder Handelns. Es gefällt mir nicht, ich ertrage es, es ist überall dermaßen gleich, dass es mir zuwider ist. Es entspricht dem Zustand eines respektvollen Beobachtens im Stillstand. Einem stummen Geflüster, das zu Schweigen gebietet.
Du schreibst, „Italien als tragische Blaupause”. Mit der Tragik des Moments bin ich einverstanden, allerdings nicht mit der Tatsache, dass es zum Modell gestempelt wird. Noch vor wenigen Wochen hat man rund um Italien, das damit beschäftigt war, den Virus zu bekämpfen, die Grenzen hochgezogen. Und erst sehr langsam, zu langsam haben dann die anderen Staaten begonnen, jeder auf seine Art auf die Epidemie zu reagieren. Niemand hat dabei den Fall Italien bedacht, dieses arme Land, das als erstes verstehen musste, worauf es gerade zusteuerte.
Später ja, in der Zeit danach. Werden wir wohl alle und ohne Modell mit der gleichen existentiellen Frage konfrontiert sein. Diese plötzliche Wiederherstellung von Einheit, die gemeinsame Isolation, die einen einheitlichen Organismus in Gang setzte, hat uns zu einem Notfallpatriotismus gebracht und aus mir und dir ein wir gemacht. Ein wir, das uns dazu veranlassen wird, uns im Inneren, im Inneren der Wertehierarchie auseinander zu setzen.
Bis bald, Roberta

 

Roberta Dapunt (*1970), Bäuerin und Lyrikerin, lebt und arbeitet auf dem Bauernhof ihrer Familie im Gadertal in Südtirol. Sie schreibt auf Italienisch und Ladinisch, der rätoromanischen Sprache ihrer Heimat. Nächste Veröffentlichung beim Folio Verlag: „die krankheit wunder, le beatitudini della malattia“ (September 2020).

Ihr Briefpartner ist der Vorarlberger Autor Christoph Linher. Roberta Dapunts Briefe werden von Alma Vallazza ins Deutsche übersetzt.

Cara Roberta. ist ein Kooperationsprojekt von literatur:vorarlberg netzwerk, Literaturhaus Liechtenstein und Literaturhaus & Bibliothek Wyborada.